Tag 7 … Ziel … und … / Day 7 … Finish … and …

Dann hat es doch tatsächlich 3 Wochen gedauert bevor ich endlich den nächsten Bericht einstelle. Zum “Trost” für Euch, in den 3 Wochen hatte mich der Job zurück und ich hatte (leider!!) für nichts anderes mehr Zeit. Kein Training, kein Sport, kein SUP.

Aber zurück zum eigentlichen Ereignis – es ist vollbracht 777km auf dem Rhein in 8 Tagen. Ein Weltrekord, der auf ein für mich überraschend großes Presse Echo, schon während der Tour, gestoßen ist. Es ist in allen Zeitungen, entlang des Rhein, berichtet worden – alle Links findet Ihr unter www.oceansport.de/news . Mit RP3, HR3, Swr3 und WDR waren gleich 4 Sender am Start, die haben während der Tour tagesaktuell berichtet haben. Selbst der Bild am Sonntag war die Tour ein Bericht wert und das letzte Highlight war ein kurzer Bericht in der Sportreportage auf dem ZDF am letzten Sonntag. Wahnsinn – wer hätte damit gerechnet – und es wird noch einiges kommen.

Zurück auf Start. 21. August 11 Uhr – es geht los, nach etlichen Interviews, Fotos und den letzten Vorbereitungen kann ich endlich das Paddel in den Rhein stechen und die ersten lang ersehnten Meter zurücklegen. Durch Konstanz geht zügig bis in den Untersee. Hier lagen jetzt gut 20km flaches See-Wasser vor mir. So dachte ich jeden falls! Aber … dann doch nicht. Sportboot, Ausflugsboote überall. Vor, neben und hinter mir, rasen und schippern die Boote an mir vorbei und werfen Wellen auf, die mich immer wieder aus dem Konzept/Rhythmus bringen.  Nicht das Wellen grundsätzlich ein Problem sind, aber auf dem Meer oder auf einem See kann man sich normalerweise, bedingt aus der Windrichtung auf den Rhythmus einstellen. Hier war das nicht der Fall! Die Wellen kamen von allen Seiten. Dann hatte ich noch mit einem klassischen Anfängerfehler, im Ausdauersport, meinen Teil zu einem durchwachsenen Start, beigetragen. Zu wenig Nahrung und Getränke zu mir genommen und das Ganze bei knapp 30 Grad.

Habe ich dann aber auch noch in den Griff bekommen.

Ab Stein am Rhein lief es dann, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Rhein nimmt Fahrt auf und bis zum Rheinfall von Schaffhausen ist es ein Traum. Dieser Abschnitt war mit Abstand der schönste Streckenabschnitt. Glasklares Wasser, Sonnenschein und …. Einfach klasse.

Rheinfall von Schaffhausen; hier musste ich mich ein Stück fahren lassen, bin jedoch unmittelbar hinter den Rheinfall wieder eingestiegen. War auch ein irres Bild J vor den Rheinfällen zu paddeln. Ab hier änderst der Rhein sein Gesicht und er wird „trübe“, bedingt durch Wehre und Schleusen die nun regelmäßig zu kuren „Spaziergängen“ führten. Ich habe mal hochgerechnet das ich auf der Gesamtstrecke fast noch einen Marathon „gelaufen“ bin. Incl. meinem Brett auf den Schultern. Unangenehm an den Wehren und Schleusen war auch der Umstand, dass der Rhein sein Strömung verliert und man deutlich mehr arbeiten muss um Meter zu machen. Da wir ein Pensum von knapp 100km pro Tag hatten, war jede Hilfe, im Sinne von Strömung, willkommen.

Zweiter Tag; es ging früh morgen los bis zum Ziel kurz hinter Basel – Weil am Rhein. Nicht das es Routine war, aber der Rhythmus aus paddeln, Wehre, paddeln, Wehre wurde nur durch das regelmäßige Treffen mit dem Supportteam unterbrochen. Das Supportteam bekam eine überlebenswichtige Rolle auf der Tour. Alle zwei Stunden musste ich meine Flaschen und Gels, Riegel nachfüllen und alle 4 Stunden habe ich etwas Warmes zu essen bekommen. Nur mal so am Rande – laut meiner Polar Uhr habe ich pro Tag zwischen 8.000-9.000 Kalorien verbrannt. Da musste ich mich zum Teil schon selber zwingen zu essen und zu trinken. Am Ende sollte ich dennoch 8 Kilo abgenommen haben.

Dritter Tag; vor diesem Abschnitt hatte ich mich am meisten „gefürchtet“ – gut 160km bis Iffelzheim. Warum? Weil der Rhein von Basel bis Iffelzheim kanalisiert und von 12 Schleusen unterbrochen ist. Mir im Vorfeld nicht klar, wie stark und ob überhaupt Strömung vorhanden sein würde. Auch wenn es der monotonste, das Ufer ist angeschrägt betoniert und der Rhein fließt Schnur geradeaus , Abschnitt war, lief es super und nach 1 ½ Tagen war es geschafft. Ich hatte die letzte Schleuse hinter mir gelassen und ab jetzt fließet der Rhein ohne Unterbrechung.

Vierter Tag; den Anfang hatte ich noch auf dem Kanal gemacht und im später Mittag dann endlich auf den frei fließenden Rhein. Ab hier hatte ich dann auch ein Begleitboot dabei, von dem ich meine Verpflegung direkt bekam. Kurz vor der Dunkelheit war dann auch der 4te Tag zu Ende. Ich hatte die Halbzeit hinter mir und ein erstes „Tief“. Konnte nicht wirklich was Essen und bin ohne Dusche in den Schlafsack gekrochen.

Fünfter Tag; war ein Presse Tag. Wir sind an Mannheim und Worms vorbei und hatten jeweils Pressevertreter auf dem Boot dabei für Fernseh- und Zeitungsinterviews. So langsam steigerte sich auch der „Berufsverkehr“ auf dem Rhein und ich war immer auf der Hut vor den mitunter schnell fahrenden Verbänden. Insbesondere wenn die wie ich den Rhein abwärts fuhren. Man hört sie kam von hinten kommen. Daher war ständige Vorsicht immer ratsam.

Zwischenfazit: bis Oppenheim – Ziel des 5ten Tages – lief es sehr gut! Wir waren alle „überrascht“ das wir schon so weit gekommen waren. Ursprünglich geplant waren 11Tage. Schon früh haben wir gesehn das es auch in 9Tagen machbar sein würden. Jetzt aber peilten wir einen „entspannten“ Zieleinlauf am Samstag an.

Sechster Tag; wie immer früh los und in Mainz, nach einem Interview vor Ort,  den SWR3 an Board genommen. Kurz hinter Mainz hatte ich meinen ersten Kontakt mit der Wasserschutzpolizei. Ich dachte zuerst, oh oh, denn die fuhren ganz langsam an meine Seite, aber als dann Fotoapparate gezückt wurden und wir ein nettes Schwätzchen gehalten haben, war klar … alles kein Thema und eher Begeisterung auf beiden Seiten. Wenn Ihr Euch auf der Karte den Verlauf des Rhein anschaut, werdet Ihr sehen, dass der Rhein hinter Mainz eine scharfe Linkskurve macht, auf eine Gerade Richtung Bingen. Es war die Hölle. Ich hatte knapp 20Knoten Gegenwind. Trotz Strömung musste ich ackern wie ein Weltrekordler ;-) um Meter zu machen. Hörte ich auf zu paddeln stand ich quasi auf der Stelle. Es war vor allem Mental zermürbend! Die Hoffnung lag ganz auf Bingen und der Rheintal bis Koblenz. Der Rhein fließt in einem engen Tal und vor der Strömung wird in der Fachliteratur gewarnt………… Aber nichts da! Das Bingener Loch war schnell und schmerzlos, wobei der Schmerz genauso schnell wieder da war, als ich feststellen musste, dass ich nach wie vor Gegengenwind haben würde. Der wurde durch das Rheintal nochmals beschleunigt und meine Hoffnung hier, bis Koblenz, den schnellsten Streckenabschnitt hinzulegen zerstört. Es hieß also weiter ackern und die Zähne zusammenbeißen. In Koblenz bin ich fast im wahrsten Sinne das Wortes vom Brett ins Bett gefallen. Ich musste mir und dem Team einfach ein Hotel gönnen, nachdem wir die letzten Nächte im Zelt geschlafen hatten. Zudem kam erschwerend für die Paddelei aber einfacher für die Hotelentscheidung hinzu, dass das Wetter immer schlechter wurde.

Siebter Tag; Koblenzer Start im Regen! Ich dachte mir nur, kann doch nicht wahr sein! Je näher ich dem Ziel komme umso schlechter wurde das Wetter. Bis kurz vor Bonn lief es trotz oder vielleicht auch wegen des Regens gut. Es war fast Windstill und ich konnte ein hohes Anfangstempo paddeln. Dann aber, wäre ja  auch zu schön gewesen, setze der verdammt Wind wieder ein. Der Petersberg schien wie ein Düse zu fungieren und um den Fuß, auf dem Rhein, bildeten sich Schaumkronen. Bonn…kurzer Stopp für die Presse. War dann im Ergebnis schon cool … alle drei großen Bonner Zeitungen hatten, am nächsten Tag, in der Samstagsausgabe einen großen Artikel mit Bild. Der Himmel riss auf und die Hoffnung bekam warme Sonnenstrahlen bis hinter den Ortsausgang von Bonn. Eine schwarze Wand kam auf uns zu als wenn die Welt untergehen sollte. „Orkan“ und Gewitter zwangen mich zur ersten Zwangspause und ich musste mir Schutz unter einem Busch am Ufer suchen. Das Gewitter zog vorbei, Wind und Regen blieb zurück. Mein eigentliches Ziel war der Kölner Rheinau Hafen gewesen, direkt unter unserem Microsoft Office. Aber heute war in Portz Schluß, Ende, Aus. Es ging nichts mehr, Speicher leer und Moral am Ende. Das trotz des Umstandes das nur noch eine Etappe zu paddeln war. Das Positive für mich war, fürs Supportteam eher „lästig“, das wir die knapp 100km zu uns nach Hause gefahren sind und ich in meinem eigenen Bettchen schlafen konnte. Bedeutete aber auch, am nächsten Tag eine längere Anreise zum Start.

Achter und letzter Tag; 100km bis zum Ziel und trotzdem ist die Motivation nicht auf dem höchsten Level. Der Morgen begrüßt mich mit Wind, wie sollte es auch anders sein ;-) . Köln aber schien mich zu mögen. Sonnenschein beim Blick auf den Dom. Ein Zwischenhoch, Wetter und Stimmung, trieb mich voran. Bis kurz vor Leverkusen. Die Steuerung meines Naish Glide 17“ funktionierte nicht mehr. Keine Reaktion auf die Steueranlage die ich mit dem Fuß bedienen kann. Als wenn es Vorhersehung gewesen wäre, passiert es genau neben einem Jachthafen in den wir uns noch „retten“ konnten. 2mm mehr und ich hätte die Sicherungsschraube und die Finne verloren. Hätte bedeutet das ich auf das Ersatzbrett hätte umsteigen müssen, das aber eher ein Wellenreiter als ein Brett für Strecke ist. Wäre ein Naish Nalu 11´6“ gewesen. Ist ja nochmal gutgegangen und nach einer Nudelsuppe geht weiter. Dormagen, Neuss und der Düsseldorfer Fernsehturm kommt näher. So schien es zumindest. Das verdammt Ding wollte nicht näher kommen. Was in der Luftlinie vielleicht 4 km gewesen wäre, war da sich der Rhein windet wir ein Schlang, dann doch noch gute 10km. Ab Düsseldorf war aber klar, der Vater Rhein, der Wind, das Wetter, mein Körper, bekommen mich heute nicht klein und ich würde heute ins Ziel einlaufen. Auch ein weiterer Zwangsstopp kurz vor Kaiserswerth, auf Grund eines Gewitters, konnte mich nicht stoppen. Krefeld, Uerdingen … noch 10,9,8,7,6,5,4,3km … Hier muss ich dann doch sagen, die Emotionen kamen mit großen Schritten und ebenso die Freudentränen das das Ziel vor Augen war. Noch 2km noch 1km und dann fahre ich neben das Rheinkilometerschild 777! WAHNSINN!!!! Es geht noch „schnell“ die letzten 3 km in den Seitenarm bis zum End-Ziel und dem Duisburger Innenhafen, wo mich Familie und Freunde erwarteten. Ein erhebendes Gefühl!! Direkt im Anschluss noch schnell ins WDR Studio zum Liveinterview und dann war es und vor allem ich endgültig geschafft. Im wahrsten Sinne des Wortes. Hatte ich mich auf eine gemeinsame Feier mit ein paar Bierchen, Pizza und dem Team, Freunden und … gefreut, war mit dem Ankunft zu Hause Schluss. Mein Körper wollte nicht mehr – gar nicht mehr. Ich musste mich noch im Garten übergeben, das Bad konnte ich gerade noch erreichen und schon stelzte auch Schüttelfrost ein. Ohne mich verabschieden zu können musste ich im Bett verschwinden.

Fazit: es war ein super Erlebnis, es war eine Grenzerfahrung, es war eine Teamleistung. Es war ein Weltrekord – 777km in 8Tagen auf einem Stand Up Paddleboard.

Board: Naish Glide 17“

Kalorien.: 8.000 – 9.000 pro Tag

Gewicht: 8kg auf der Tour verloren

Etappen:

  1. Konstanz – Hohentugen – 82km
  2. Hohentugen – Weil am Rhein 90km
  3. Weil am Rhein – Ottenheim 100km
  4. Ottenheim – Philipsburg 117km
  5. Philipsburg – Oppenheim 99km
  6. Oppenheim – Oberlahnstein (Koblenz) 106km
  7. Oberlahnstein – Köln Porz 90km
  8. Köln Porz – Duisburg Rheinhausen 100km

An dieser Stelle bedanke ich mich ausdrücklich und ganz besonders bei meiner Frau Sabine, dem Kameramann Frank Witter, der Fotografin Christiane Kappes und meinem PR Agenten Stepahn Kappes J, und meinen drei Freunden Jan, Bengt und Horst – ohne Euch hätte ich das nicht geschafft.

Mein Dank geht natürlich auch an meine Sponsoren und Unterstützer:

Naish http://www.naishsurfing.com ,

adidas http://www.adidas.com/de ,

Polar http://www.polar-deutschland.de/de/ ,

ZWS http://www.zws.de ,

Harder 10 http://www.harder10.com/hauptseite/detail/key/1f0534c3045c1d4c132987e3996f5db4/produkt/eine-expedition-in-stand-up-paddle-90

Wer jetzt noch Lust auf Stand Up Paddleboard hat oder bekommen hat, kann sich gerne über www.oceansport.de an mich wenden. Material, Training und Tipps gebe ich gerne weiter.

Aloha und Mahalo

Frank

Bildnachweis und Copyright-Pictures – Kappes Adventure Press

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